15.04.2021

Das letzte Bild auf dem Film

Heute habe ich nicht viel zu zeigen, aber möchte dafür ein bisschen erzählen.

Ich bin unzufrieden. Zum einen mit der Gesamtsituation. Der zermürbende Dauer-Pseudo-Lockdown und die Arbeitsverweigerung der Politik beim Thema Pandemiebekämpfung gehen auch an mir nicht spurlos vorbei (#mütend). Jetzt wollen sie mir womöglich auch noch meine kontaktlosen Sonnenuntergangs-Fotoausflüge verbieten (Ausgangssperre ab 21 Uhr), weil sie es nicht auf die Reihe bekommen haben, schon Monate früher wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Geht's eigentlich noch? Im Ernstfall werde ich es wohl einfach riskieren. Hätte vor Gericht wohl eh keinen Bestand.

Und zum anderen gefällt mir der Zustand meines Fotoblogs nicht. Die Qualität der Bilder schwankt extrem. Letztes Jahr dachte ich, ich hätte die Kurve gekriegt. Erinnere mich noch an meine eigenen Aussagen wie "Besser ein gutes Foto als zehn mittelmäßige" oder "Ich darf hier Bilder machen, ich muss nicht". Und nun, vermutlich im Zusammenhang mit der äußerst unbefriedigenden Gesamtsituation, bin ich wieder ins alte Muster zurückgefallen. Der Zwang, unbedingt etwas zeigen zu müssen, wenn ich schon extra wo hingefahren bin, ist wieder da. Auch wenn die Bilder der größte Mist sind.

Allerdings verfüge ich mittlerweile über eine neue Errungenschaft, die hilfreich ist, um wieder in die Spur zu finden.

Gut, genau genommen ist sie nicht neu, sondern gebraucht, und hat schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel.



Ein Grund für die Anschaffung waren die beiden mitgelieferten schönen Pentax-Originalobjektive. Aber ich wollte auch die Kamera tatsächlich einsetzen. Heute ist der erste Film voll geworden. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie die Bilder nachher aussehen werden, habe ich das Gefühl, dass die Anschaffung richtig war.

An meine analogen Fotos habe ich keine Ansprüche. Die Abbildungsqualität wird nicht mit Digitalfotos mithalten können, und da ich die Bilder nicht einmal selbst bearbeite, sondern den Film zum Entwickeln anderen überlasse, erwarte ich nicht allzu viel davon. Auch bei der Wahl des Bildausschnitts bin ich eingeschränkt: bisher habe ich nur zwei Brennweiten, 50 und 200 mm. Da kann man erst recht keine Perfektion erwarten. Und genau das tut mir gerade gut. Die Analogkamera benutze ich für Bilder, die ich nicht gleich allen zeigen, aber trotzdem machen will. Schnappschüsse, aber in Vollformatqualität ‐ die Objektive können ja was. Der optische Sucher und der manuelle Fokus entschleunigen den Prozess des Fotografierens, und gleichzeitig hat man eine direktere Verbindung zum Motiv. (Nebenbei bemerkt: Ich will auch digital zurück zum Spiegelreflex-System. Beobachte schon eine Weile den Gebrauchtmarkt im Hinblick auf eine Pentax K-1.)

Was hat das mit den Bildern in meinem Blog zu tun? Nun, solche Aufnahmen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie meinen Ansprüchen möglicherweise nicht genügen werden, die mache ich jetzt einfach analog. Damit habe ich das Bild trotzdem gemacht, aber komme nicht in die Versuchung, es gleich herzuzeigen und mich hinterher darüber zu ärgern, so einen Schrott veröffentlicht zu haben. Das Ergebnis bekomme ich erst mit einiger zeitlicher Distanz zu sehen, wenn ich besser beurteilen kann, welche von den Bildern doch gut genug sind für die Öffentlichkeit. Die Verbissenheit ist weg, seit ich die Analogkamera mitnehme.

Heute Morgen habe ich nun einen kurzen Spaziergang gemacht, um den Film voll zu bekommen, weil man Filme bei Foto Löffler in Freiburg immer freitags entwickeln lassen kann. Die letzte Einstellung hat mir dabei so gut gefallen, dass ich sie mit der Digitalkamera nachgestellt habe. Etwa so wird das letzte Bild auf dem Film aussehen. Bin schon gespannt auf den direkten Vergleich ...

Blick auf Breitnau-Hinterdorf


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